Meine Gedanken nach Luis

Wie geht’s dir?

Wie geht es mir? Ich weiß es nicht. Manchmal geht es mir ganz gut.

Ich kann lachen, Spaß haben und dabei sein, ohne dass jemand denkt, dass es mir nicht gut geht.

Ich bin traurig. Immer! So sehr! Auch wenn ich lache oder sage, mir geht es gut. Mein Herz schmerzt so sehr, immer. Jeden Moment. Wie soll ich morgens aufstehen und weiter machen, wenn meine Welt stehen geblieben ist.

Ich kann nicht schlafen, fühle mich so schuldig, fühle mich so schlecht.Ich hab den Tag bestimmt, Luis leben bestimmt – und beendet.

Ich wollte nur dass es ihm nicht schlecht geht. Mir geht es jetzt nicht gut. Aber besser so, als meinem Luis. Aber er ist jetzt nicht hier.

Ich weiß nicht wie es ihm geht.

Ich muss immer an mein Baby denken, ertrage keine schwangeren Frauen, keine anderen Babys. Es ist so schwer.

Ich bin eine Mama ohne Kind. Meine Schwangerschaft war so kurz, nur 16 Wochen und ein paar Tage, mein Babybauch – nicht sichtbar.

Ich war im Krankenhaus, hatte Wehen und habe mein kleines Baby geboren. Aber ich musste alleine das Krankenhaus verlassen. Wie kann eine frisch gebackene Mama alleine das Krankenhaus verlassen, ohne ihr Baby mit nach Hause zu holen? Andere Mütter würden jetzt mit ihren Babys heim kommen, die ersten Tage geniessen, kuscheln, sich kennenlernen.

Ich sitze beim Bestatter, soll eine Urne für mein Baby aussuchen, statt einem Babybettchen.

Es ist mir zu viel. Es ist mir einfach alles zu viel und zu schwer, ich ertrage das nicht. Ich möchte nicht aus meinem Bett, jeden Tag einfach vorüber gehen lassen und nur liegen bleiben.

Ich kann nicht über mein Baby sprechen, es tut zu sehr weh, auch den anderen ist es zu schwer, die richtigen Worte zu finden. Niemand konnte mein Baby kennenlernen, kaum einer wusste dass ich schwanger war. Selbst hab ich versucht meine Gefühle nicht an mich ran zu lassen, die Schwangerschaft „auf Abstand halten“. Meine Freude war sehr zurückgehalten.

Das tut mir so leid Luis! Ich habe dich trotzdem so sehr geliebt! Ich hab so ein schlechtes Gewissen, dir gegenüber. Ich hab dir gar nichts genäht. Ich hatte nichts für dich gekauft. Ich war nicht vorbereitet. Das alles ging zu schnell. Es tut mir leid Luis. Ich wollte alles richtig machen und ich hab alles so falsch gemacht. Ich mach mir so große Vorwürfe, was hab ich getan? Was ist in den letzten Tagen passiert?

Ich musste mein Baby bei seiner Ankunft schon direkt verabschieden und wieder gehen lassen. Wir konnten nicht kuscheln, ich konnte ihn nicht küssen.

Ich will meinen Luis zurück! Das alles ist mir zu viel, ich ertrage das nicht, das ist mir zu schwer! Ich verstehe nicht was passiert ist, aber ich weiß es, ich will aber nicht.

Was würde ich dafür tun, um alles rückgängig zu machen, um einmal mit meinem Baby zu kuscheln, allen mein hübsches Baby präsentieren zu können…

Was würde ich für einen einzigen Kuss geben…

Es tut mir so leid, ich liebe dich so sehr, mein Baby!

Ein Gedanke zu “Meine Gedanken nach Luis

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