Bedürfnis

Ich hab so sehr das Bedürfnis danach, schwanger zu sein. Zwei mal war ich schwanger. Sechzehn Wochen mit Luis und zwanzig Wochen mit Robin. Beide zusammen wären noch nicht einmal eine ganze, reguläre Schwangerschaft. Eigentlich wäre ich den ganzen Sommer noch schwanger.

Ich möchte so unbedingt ein Baby haben, das ich bei mir behalten darf, um das ich mich kümmern muss, mit dem ich kuscheln kann. Ein Baby das ich mit Leib und Seele kennen lernen darf. Diese Liebe eines Kindes spüren, die tröstende Mama für mein Baby sein können. Das Gefühl spüren, diese Person zu sein, dem das Kind in die Arme rennt, wenn es Geborgenheit oder Trost braucht, wo keine Tante und keine Oma mehr ausreicht. Ich möchte dieses einzigartige Band was zwischen Mutter und Kind ist von der Mutterseite aus spüren.

Meine Mama und ich, wir haben so ein besonderes, gutes und inniges Verhältnis. Sie war immer mein sicherer Hafen, sie ist immer meine Heimat. Sie kennt mich, manchmal vielleicht zu gut. Sie kennt meine Stärken, meine Schwächen. Wir verstehen uns blind und ohne Worte. Keine Gefühle kann ich vor ihr verstecken. Ich muss ihr nicht sagen, dass es mir nicht gut geht, sie tröstet mich schon. Sie war meine erste Beste Freundin, mein Halt, meine Tankstelle zum Kraft tanken, mein Motivator, mein Arschtritt um mich selbst zu motivieren. Sie hat eine starke Frau aus mir gemacht. Sie ist meine Heldin. Ich möchte so wie sie für meine Kinder sein.

Ich möchte eine Mama sein, wie sie. Diese unendliche Liebe, die Kraft und den Halt, was sie mir und meinen Geschwistern gegeben hat und immer gibt, möchte ich weiter geben an meine Kinder.

Am liebsten würde ich direkt wieder schwanger sein. Ich möchte nicht Robin ersetzen. Robin war und ist auch kein Ersatz für Luis gewesen. Beide sind meine Babys. Aber ich darf mich nicht um sie kümmern. Ich weiß, dass sie mich lieben, so sehr wie ich sie liebe. Aber das ist nur ein Teil vom Mama sein. Ich brauche auch Kinder hier bei mir um erfüllt zu sein. Ich möchte nicht nur Tante sein, auch wenn ich das sehr liebe, aber ich will die Person sein, zu der die Kinder abends oder am nächsten Tag wieder zurück gebracht werden. Ich will nicht nur die Tante sein, die die Kinder irgendwann wieder an die Eltern zurück geben muss.

Ich möchte wieder schwanger sein, aber ich hab auch so große Angst davor, dass es wieder kommt wie bei Luis und Robin. Was, wenn wir nochmal so eine Diagnose bekommen? Ich hab das Gefühl bei Robin alles gut gemacht zu haben, ich hab die Zeit mit ihm genossen. Es war eine schöne Zeit. Könnte ich es mit dieser Diagnose ein weiteres Mal so gut machen, würde ich das nochmal überstehen? Möchte ich das Risiko nochmal für mein Baby eingehen? Es müsste das genauso durchstehen wie ich. Das Risiko ist wieder bei 25%. Eigentlich denkt man, bei 25% müsste es dann doch nach zwei mal negativ, auch mal ein positives Ergebnis geben… aber niemand weiß wie es kommt und es kann wieder so schlimm werden.

Eine künstliche Befruchtung widerstrebt mir, irgendwie. Ich weiß nicht genau warum, aber für mich ist das nicht so die richtige Art ein Baby zu bekommen. Ich hab Angst vor Hormontherapien, Angst mich selbst spritzen zu müssen. Ich möchte nicht, dass mein Kind von Ärzten oder Laboranten im Reagenzglas gezeugt wird. Babys entstehen mit Liebe. Sie sind so ein unglaubliches Wunder, das in der Mutter heranwächst. Ich verstehe nicht, warum man für das natürlichste der Welt auf diese Weise so viel Geld zahlen muss. Kaufe ich mir dann ein Kind?! Man kann doch keine Kinder kaufen!

Aber wir werden uns diese Methode noch einmal anschauen. Wir werden uns andere Zentren/Kliniken anschauen und wir werden diesmal von meiner Frauenärztin und unserer Genetikerin unterstützt. Vielleicht kann ich es mir besser vorstellen, wenn ich mich gut aufgehoben fühle. Vielleicht muss ich das so machen, um mein Lebensziel zu erreichen. Immer war es mein Ziel Mama zu werden, Kinder groß zu ziehen.

Und ich muss auch nach Micha und meiner Familie schauen. Wir sitzen irgendwie schon in einem Boot und ich muss auch Rücksicht auf ihre bzw. auf Michas Gefühle und Kraft nehmen. Für sie ist das auch seh schwer und emotional.

Ich hoffe nur irgendwie, irgendwann mal ein gesundes, kräftiges Baby auf die Welt zu bringen.

4 Gedanken zu “Bedürfnis

  1. Bald wirst auch du ein gesundes wunderschönes Baby in deinen Armen halten das „dir“ gehört. Für das du der Hafen bist und dem du all deine Liebe schenken darfst. Du wirst eine wundervolle Mama werden und wir freuen uns alle darauf
    Bis dahin bist du eine ganz ganz tolle und liebevolle Tante
    Wir unterstützen euch bei all euren Entscheidungen

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  2. Hallo, ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen. Sehr traurig was du erleben musstest und das gleich zweimal. Ich möchte dir aber noch sagen, das auch Kinder aus künstlicher Befruchtung aus Liebe entstanden sind. Mein Sohn ist auch im Reagenzglas entstanden und die ganze Zeit über wo ich mich Spritzen musste ( mit Spritzenfubie ) haben ich und mein Freund so viel zusammen gehalten wie niemals zu vor, also da war so viel Liebe dabei, nur halt auf eine andere Art und Weise. Ich würde das echt nochmal überdenken und wünsche euch alles Gute, auch du wirst irgendwann mal dein Baby haben🍀

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    • Liebe Jessi, danke dir für deine lieben Worte! So hab ich das noch nie durchdacht. Wir sind jetzt nochmal am Thema Kinderwunschzentrum und künstliche Befruchtung dran. Morgen haben wir einen Termin und schauen mal.
      Drück dich,
      Nadine

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