Unerträgliches warten

Ich bin angespannt.
Wieder mal heißt es zu warten. Vor sechs Tagen war ich wieder bei der Chorionzottenbiopsie. Bei meiner Frauenärztin, die mit einer riesigen, dicken Nadel durch den Bauch, in die Gebärmutter und die Plazenta sticht.
Es tut so weh.
Man soll entspannt bleiben, nicht in den Bauch atmen, während der Ultraschallkopf fest auf den Bauch gedrückt und eine Mördernadel in den Bauch gerammt wird. Die Bauchdecke wird betäubt, die Gebärmutter aber nicht. Es ist sehr unangenehm und tut sehr weh. Immerhin ging es diesmal relativ schnell, mit dem ersten Versuch. Letztes Mal musste Sie 6 mal neu einstechen, weil sie nicht durch die Gebärmutter kam. Alle sagten die ganze Zeit zu mir, ich soll entspannt bleiben. Versucht doch mal, den Bauch nicht anzuspannen, während Euch jemand in den Bauch boxt. Das geht nicht!

Ich bin wieder schwanger.

Wir wollten das so. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, informiert und beschlossen, es noch ein Mal auf natürliche Weise zu versuchen. Trotzdem haben wir Angst, dass es wieder so kommen kann, wie bei Robin und Luis. Als wir Ende August sicher wussten, dass ich schwanger bin, war es eine ganz komische Situation. Ich hab mich so sehr gefreut, gleichzeitig kam mir der Gedanke „Bist du eigentlich dumm?! Was haben wir getan?!“ Aber dennoch haben wir die Hoffnung, dass alles gut werden muss. Wir wünschen es uns so sehr. Der Wunsch, schwanger zu sein, ein Baby zu bekommen ist einfach soo riesig.
Und wir sind glücklich. Wir haben es uns gewünscht und es hat wieder geklappt.

Wir hoffen und beten, dass alles gut wird, wir wissen auch, was kommen kann. Wir sind uns dessen bewusst.

Bis zur 12. Schwangerschaftswoche ging es mir im Vergleich zu den letzten Malen sehr gut. Ich hatte nur wenige Tage, an denen ich mit Übelkeit kämpfen musste. Ich habe mich erst gar nicht schwanger gefühlt, weil ich so gar nichts gespürt habe. Ich war schon unglaublich müde und kaputt, aber ich musste nicht jeden Morgen Punkt 7:25 Uhr spucken, ich hatte nicht dieses schlimme Übelkeit, keine Unterleibskrämpfe und Mutterbänderziehen.
Ab der 12. Woche hat es plötzlich angefangen. Eigentlich heißt es, ab dem 2. Trimester wird alles besser, aber da kam bei mir die Geruchsempfindlichkeit! Alles riecht plötzlich. Ich rieche alles! Das ist nicht schön. Ich kann keinen Geruch riechen. Mir wird schlecht und ich muss würgen. Außerdem hab ich nonstop Kopfschmerzen und kann einfach nicht schlafen. Ich hab alle zwei Stunden Hunger, auch nachts und kann trotzdem nur Kleinigkeiten Essen. Nach dem essen ist mir schlecht. Toll. Wenn man im Internet oder in Schwangerschafts-Apps liest, heißt es „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die ersten drei Monate überstanden, jetzt können sie das zweite Trimester, das Beste Trimester genießen“ Naja bisher nicht wirklich. Abgesehen von den Schwangerschaftsbeschwerden sind wir angespannt.

Wir müssen warten, auf das Ergebnis. Wir sind voller Hoffnung, haben Angst, Träume und Wünsche. Wir beten. Unsere Träume sind an manchen Tagen so schön, vorstellbar und greifbar, an anderen Tagen sind es Horror Träume.

Und wir müssen einfach weiter warten. Die Gene von unserem Baby standen schon bei der Einnistung fest. Bisher sieht alles ganz normal aus. Wie bei Robin und Luis die ersten Wochen auch. Alles gut. Leider hat das noch nichts zu heißen. Wir können nichts mehr beeinflussen, hoffen aber und warten, bis wir endlich Bescheid bekommen.

Zuerst wusste ich nicht, wie ich die Schwangerschaft angehen möchte. Sollen wir bis zur 20. SSW warten und dann im Ultraschall schauen, wie es aussieht? Wir haben zwei mal die Erfahrung gemacht, dass man es ab der 16. Woche sieht. Was wenn diesmal nicht? Wenn wir uns Hoffnungen machen, weil bis zur 20. SSW im Ultraschall alles gut aussieht und es dann diesmal erst in der 21. Woche sichtbar ist? Schließlich sind zwei Erfahrungen keine besonders sichere Studie…
Ich hatte überlegt die Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen. Sie kann erst 4 Wochen später gemacht werden, als die Chorionzottenbiopsie, meine Frauenärztin meinte aber, es sei vielleicht etwas weniger schmerzhaft, weil die Nadel dünner ist. Vier Wochen länger warten?

Einerseits möchte ich eine gute Nachricht natürlich so früh wie möglich. Andererseits eine Schlechte so spät wie möglich, um meine Schwangerschaft so lang es geht bedingungslos zu genießen. Schwere Entscheidung. Ich weiss wochenlang nicht was ich machen soll. Eines Morgens saß ich im Bus auf dem Weg zur Arbeit und hatte das Bedürfnis doch so bald wie möglich die Chorionzottenbiopsie zu machen, rief dann direkt bei meinem Frauenarzt an und bekam den Termin.

Am Montag, 22.10. war dann der Termin. Zuerst wurde ein großer Ultraschall gemacht, immernoch alles gut bisher. Die kleine Kiwi (so nannte meine Mama es, weil es da ca. die Größe einer Kiwi hatte) war aber sehr aktiv und wollte sich während dem Ultraschall kaum zeigen. Es war wohl auch so angespannt wie ich.

Das Ergebnis kann nächste oder übernächste Woche kommen. Wir müssen noch warten. Wir hoffen und beten, investieren alle Wünsche, die wir von Sternschnuppen noch offen hatte und von Wimpern. Bitte, bitte werde alles gut gehen.

Bitte.

4 Gedanken zu “Unerträgliches warten

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